«C’è un caffè sospeso?» – «Gibt es einen aufgehobenen Kaffee?» Diese Frage hat eine über hundertjährige Tradition in Neapel. Ein Blick auf die Kreidetafel zeigt vier Striche hinter dem mit wackeliger Schrift gekritzelten Wort «Espresso». Der Barista wirft die Espressomaschine an, löscht mit dem Tuch einen Kreidestrich von der Tafel und reicht der jungen Frau auf der anderen Seite der Theke die Tasse mit dem frisch duftenden Kaffee.


Sospeso (aufgehoben) heißt, ein anderer hat schon bezahlt. Entstanden ist die Aktion also als eine Regung der Freude und Großzügigkeit.

 


Teilen und Genießen

-

it's about more than the coffee

 


Die Sospeso-Bewegung hat durch die Wirtschaftskrise eine neue Dynamik bekommen. Privatpersonen haben diese Wichtigkeit erkannt und beschlossen, Sospeso dem Rest der Welt näher zu bringen. Überall erlangt der geteilte Kaffee nun plötzlich existenzielle Bedeutung. Nicht nur Kaffee, sondern auch Brot, kleine Mahlzeiten oder Gemüse werden so zwischen Unbekannten geteilt. Auf der ganzen Welt machen über hundert Bäckereien, Gasthäuser und kleine Märkte mit. (www.suspendedcoffees.com ) Auf einer solidarischen Landkarte im Internet sind diese Orte weltweit verzeichnet, an denen es für Leute, die sich zwischen Brot und Kaffee entscheiden müssen, Kleinigkeiten zu essen und zu trinken gibt.


Unbürokratisch, anonym, ohne Beschämung ist das Ziel. Schon bezahlt, heißt es dann.